Stuttgart, eine Stadt der Wohnprojekte

Stuttgart, eine Stadt der Wohnprojekte

„Die Stadt Stuttgart hat viele Profile, warum sollte sie sich nicht auch zu einer Stadt der Wohnprojekte entwickeln können?“

Dieser Vorschlag des Leiters des Paritätischen Bildungswerkes, Martin Link fand großen Anklang bei den Besuchern des 1.Wohnprojektetags "Anders leben als gewohnt – selbstorganisiertes gemeinschaftliches Wohnen in Stuttgart", der am vergangenen Samstag im Stuttgarter Rathaus stattfand. Ca 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer konnten sich in Referaten und Workshops über verschiedene Arten des generationenübergreifenden, selbstorganisierten und gemeinschaftlichen Wohnens informieren. Stuttgarter Wohnprojekte und –initiativen stellten sich und ihre Konzepte in einem ‚Markt der Möglichkeiten’ vor.

Der Stadtsoziologe Andrej Holm von der Universität Oldenburg betonte in seinem Vortrag den wichtigen Beitrag, den Wohnprojekte zur Stadtentwicklung geben. Diese sprächen breite Kreise der Bevölkerung an und böten eine Entlastung für Städte mit angespannten Wohnungsmärkten, da sie Wohnmöglichkeiten für Gruppen bieten, die sich auf dem Wohnungsmarkt nur schwer durchsetzen können.

Zu solchen Projekten gehören in Stuttgart unter anderem die generationenübergreifenden, bereits realisierten Projekte der "Wabe e.V." und der "pro-Wohngenossenschaft" auf dem Burgholzhof, die ein Mischkonzept von Eigentum und Miete anbieten und von Nicole Benz von "pro" in einem der Workshops vorgestellt wurden. Die Wohnprojekte "Anders Wohnen in Stuttgart", "Wohnvisionen" und das vor wenigen Tagen realisierte Projekt "Initiative Soziales Zentrum", sind hingegen reine Mietprojekte und arbeiten mit dem "Mietshäusersyndikat" zusammen, das von Ingo Riedmüller aus Tübingen vorgestellt wurde. Des weiteren präsentierten sich die Initiative Olgäle 2012, das Wohnprojekt auf dem Hallschlag und die Glockenstraße 36.

Diese Wohnprojekte bieten Raum für Experimente, zum Beispiel bei der baulichen Gestaltung oder bei energetisch-ökologischen Innovationen, wie der Soziologe Holm sagte. Ein wichtiger Ansatz in Stuttgart ist sicherlich der Cannstatter Neckarpark und neu ausgewiesene Flächen auf dem Killesberg, die von Baubürgermeister Hahn in seinem Eröffnungsvortrag vorgestellt wurden.

Martin Link gab in seinem Vortrag zu bedenken dass "es nicht nur darum gehen kann, Flächen für die Meistbietenden zu geben, sondern für die besten Konzepte". Er könne sich vorstellen, dass es in zehn Jahren eine Vielfalt von Wohnprojekten in Stuttgart gäbe, die auch bezahlbar sind und die, so sein Vorredner Holm, "eine wichtige Vorbildfunktion für eine solidarische und soziale Stadtentwicklung" haben.

Einen kursorischen Überblick über diese Vielfalt gab die Sprecherin der Stuttgarter Plattform für selbstorganisiertes gemeinschaftliches Wohnen, Gabriele Gerngroß Haas. In ihrem Beitrag stellte sie unter anderem einen Beginenhof in Ostdeutschland und ein Wohnprojekt in Berlin Neuköln, vor.

Eine erstaunlich große Resonanz habe der Wohnprojektetag gehabt, sowohl Familien mit Kindern, wie auch Ältere, die sich nach einem Altersruhesitz umsehen und mit jungen Familien zusammen leben möchten, hätten ihren Workshop besucht, sagte Nicole Benz von der "pro Wohngenossenschaft." Über 50 Leute besuchten den Workshop des Mietshäusersyndikats und stellten Fragen zum Modell der Organisation und Finanzierung, so Ingo Riedmüller von der Schellingstraße in Tübingen. Auch Michael Hilse von der Architekturkammer, der über Angebote über Baugruppen referierte, zeigte sich hoch zufrieden. In seinem Workshop seien "Beginner", Leute die bereits in Baugruppen aktiv sind, sowie viele Architekten gewesen.

 

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